orherrschen von Ruhr auf Kalkboden, so wie über die Unabhängigkeil der Krankheitsverbreilung von geologischen Verhältnissen überhaupt, liegen aus zahlreichen andern Gegenden der Erdoberflache vor. §. 113. Eine besonders grosse Bedeutung für das Vorkommen von Ruhr, als Endemie, wie als Epidemie, ist von zahlreichen Beobachtern, sowohl aus den tropischen, wie aus den gemässigten! Breiten, der Feuch- tigkeit des Bodens und speciell Sumpfboden beigelegt, und die Krankheitsgenese zumeist mit der, unter den genannten Verhältnissen ent- wickelten, Malaria in einen kausalen Zusammenhang gebracht worden. Die eifrigsten Vertreter dieser Ansicht finden wir zunächst unter den mdi- schen Aerzten. „Of dysenlery as well as of fevers/' erklftrt Annetley*), „ft mty be eon* „fidenlly staled , that all silDations prodoctive of lerrestrial emanaliona, er maltria, and „wbicb fornish exhalations from the decay of animal er vegetabie prodoeliont, ander „the Operation of a moist and hot State of the atmosphere, will always occtsion dyscn- „tery in Ihc predisposed subject." Und ferner &): „This latter maiady (dyteotery) ii „most frequenily the resull of Ihose causes amongst troops on aclual Service io a „warm and unheallhy country, particularly doring the ralny season and in the vicialty „of large rivers, canals and places aboiinding with emanallons from the decay of „animal and vegelable matlers. Whcn troops are slalioned in the neighboarhood „of ihose localiiies, dysenlery generally becomes exiremeiy prevalent, and often assn- „mes characlers ol a more or less malignant natura, — a circnrnstanee that secms „to be promoled by the prescnce of animal matter in the exbaialions, which with other „causes, combine to generale the disease." In ähnlicher Weise sprechen sich einzelne Beobachter, wie Mason, Hunter^), Rollo u. a., bezüglich der Krankheitsgenese auf den Antillen, 1) Joum. g6n. de M^d. XL1X. 828. 2) L c. 181. 8) Wlifhf . med. OeiraM. ZZV. N. 34. 4) 1. c. S96. 5) 1. 0. 408. 6) Lond. med. Gas. 1. c. Orftn - ErankheHeB . Buhr. 239 « a«s Florida, Sigüod^} aus Brasilien. Haspel nud Perier aus lef nus; ebenso wird das vereinzelie endemische Vorherrschen der heil in g:emässlglen Breiten, so auf den sumpfigen Küslen des Golfs eapel von Brunn er, an den ülern des Siljan Sees (Dalome) von usa, in der Umgegend von Dorpal und andern Gegrenden Eslhlands n Oesterlen u. s, w., mit dem obengen^innten ätiologischen Momente eineä mehr oder weniger nahen, kausalen Zusammenhang gebracht, id ebenso jE^lauben einzelne Beobaehier. wie namentlich Baly^) für die libank Penilentia^^ das endemische Vorkommen von Buhr in Gefang- ssen und ähnlichen Lokati täten auf den Einfluss desselben zurück] uhren müssen. ,*A c!oac connecKon,'* bemerltt Bttly, nach einer Reih« bcweiicndeTThalsacheij, «dell in ßciuf nof das genunnle Gefängniss, ,,aübstsle belweea dysenlery and fever, wd ibe pri*vai«nee oI dytetilery atid oi ibe bowel toinplainlti aUied ta ii, it ^reales! U Üiose leaKOQs and m those »lile» of tbe almosptierc, which moit hvouf decompO' litioQ of or^antc maller qf iht^ ioil ; now iht^s« Iwo fuels, togctber mih ihc eDDslint re ^Joiciit conilanl« prcience of Ibe djteai« in a ruJld form, and the ab&enctj &( Iher cauAes capablt ot accouDllng^ ht il, sali^ry my mind, Ibat the dyseatery ob- icfved ifl tbe Penitenliary at Millbank ii really produced by tnalaria/^ Schliesslich darf nicht unerwähnt bleiben, duss bei verschiedenen idemischen Ausbrüchen von Buhr, Feuchtigkeit und besonders sumpfige eschttflenheit des Bodens ein wesentliches Moment Tür die Krankheits- oese abgegeben haben soll; so urlheill u. a. Bell^) über die Epidemie 529 in der Gralschari Greene, Alab,, wo die Krankheit vorzugsweise nur feuchlgelegenen Gegenden auilrat, ferner Montagnier bezüglich der pidemie I8'i6 im Dpi. Finislerre, wo ebenloUs nur lief und feucht gele- ne Onschatlen heimgesucht wurden, ßoulel über die Epidemie 1836 der Sologne, Gauüier de Claubry bezüglich der Krankheit im J- Pö*i in 5 Gemeinden der Dpts. Cote-d'Or, Marne, Morbihan, Somme und osges, welche alle u, a, das mit einander gemein haben, dass sie tief id__ feucht liegen, sehr schmutzige Strassen» und kleine, niedrige, schlecht lut\elc Wohnungen haben, de la ilarpe, welcher bezüglich der Epi- njic 1843 im Canton Waadt auf die dem Ausbruche von Ruhr vorher- fangent; Ueberschwemmung in Folge des Austreiens der Rhone ein sonderes Gewicht legt, lerner der Berichterstatter*) über die Seuche )44 im Canton Zürich, wo eben feucht und lief gelegene Wohnungen jgrs i und vorherrschend von der Krankheit heimgesucht wurden, Cheyne :lich der Epidemie 1818 in Cork, wo sie in den niedrigst gelegenen n der Stadt am heitigsten auftrat, Sauter über die Krankheit 1834 Obcrostcrreich, ladem sie vorzugsweise in den sumpfigen Niederungen r Gebirgsgegenden verbreitet war, Günther^), welcher erklartt dass uhr bei ihrem epidemischen Auftreten in Cöln stets in den leucht und tmpüg gelegenen Strassen der Stadt hüuflger als in anderen beobachtet fird IL 8. w, !n einer, vor mehreren Jahren veröffentlichten Arbelt®) über Ruhr übte ich, mich der hier vorgetragenen Ansicht anschliessen , und der iditen, besonders sumpfigen Beschaffenheit des Bodens, resp. der Ma- , eine wenn auch nicht ausschliessliche, doch wesentliche Bedeutung r die Ruhrgenese vindiciren zu müssen; neuere, aul umfassendere ßeob- lilangen gestützte Untersuchungen lassen es mir jedoch in hohem Grade IH «- W* i) Lo&d. mftd. du. tUT IV. &». ti) TfAQiylTanlft J. of Med. U. 53». ^ BmdtäA im Züricher GettiadliclUrktliea fi^m J. ISU. 33. 1} mtä, Tcip«gT, von CqIo etß- Bert, IÄ33, 154. 6) Präg. ViorteU. t Elkd, XMV, ILVa, U. 240 Hirsch, historisch geographische Pathologie. fraglich erscheinen, ob jener Schluss von dem — endemischen oder epi- demischen — Vorherrschen von Ruhr auf Sumpfboden, auf ein kausales Verhällniss zwischen den Bodenverhältnissen und der Krankheilsgenese gerechlferligt ist, ob ein specißscher Einfluss der Sumpfexhalalionen in dieser Beziehung angenommen werden muss. Es steht uns für die Beantwortung solcher Fragen nur die Statistik zu Gebote, deren Entschei- dung auf ein Mehr oder Weniger basirt, und auf eben diesem Wege ist, wie ich an einer andern Stelle dieses Werkes gezeigt habe, die Abhängig- keit der Malariafiebergenese von Sumpfboden nachgewiesen worden; es liegen eine so ausserordentlich grosse Zahl gleichlautender und konstanter Thatsachen vor, welche beweisen, dass Malariafieber vorzugsweise auf Sumpfboden vorkommt, dass man nicht wohl Anstand nehmen kann, in dieser Bodeneigenthümlichkeit, wenn auch nicht die einzige, doch eine wesentliche Quelle des KrankheitsgiRes zu erblicken: ganz anders aber gestaltet sich dieses Verhältniss für Ruhr, deren Vorherrschen — zumal als Endemie, die hier, aus leicht ersichtlichen Gründen, vorzugsweise ia Betracht kommen muss — sowenig an Sumpfboden gebunden erscheint, in einem so überwiegend grossen Maasse auch auf trockenen, felsigen Boden» oder doch in so vollkommen sumplfreien Gegenden beobachtet wird, dass die oben angeführte Ansicht ganz aufzugeben ist, oder doch nur in so weit Geltung behält, als ein feuchter Boden nicht ohne Einfluss auf die klima- tischen und Wiiterungsvcrhällnisse der betreffenden Gegend bleibt und somit zur entfernten Ursache des endemischen oder epidemischen Vor- herrschens von Ruhr werden kann, eine Ansicht, welche bereits früher von einzelnen Aerzlen, so u. a. von Bampfield*) einem der besten Beobachter der Ruhr in Indien, ausgesprochen worden isL „Dysentery/* erklärt derselbe, „occors more freqoently in marshy groonds tnd „among paddy fields, ihan in dry and sandy soils. . In such Situation» thick dews „generally arise in ihe night and precipilale in considerable quanlilies; beoce if any „Enropeans are imprudcnlly exposed to them, it is not difficult to understand in wbat „manner they bcconie the cause of checked Perspiration.** Das wichtigste Argument, welches sich gegen diese Theorie von der Ruhrgenese aus Malariaeinflüssen geltend machen lässt, geht aus dem Umstände hervor, dass sich die geographische Verbreitung von Ruhr — als Endemie und Epidemie — in sehr wesentlichen Punkten von der von Malariafieber unterscheidet. Wir finden Ruhr aufiallend häufig in solchen Gegenden endemisch, die weder feucht noch sumpfig gelegen sind, noch in anderer Beziehung irgend wie den Charakter eines eigentlichen Malaria- gebietcs tragen; fast alle tropisch oder subtropisch gelegenen Gegenden bieten hiefür zahlreiche Belege, so namentlich einzelne Distrikte Indiens, vor allem in den nordwestlichen Provinzen, wie nach Jackson in dem auf einer trockenen, sandigen, sumpfi'reien Ebene gelegenen Mirut und dessen Umgegend, nach Green in Fcrozepur und anderen im hügeligen Distrikte des Punjaub, S. S. 0. von Cashmir, gelegenen Orlschalten, und auf den Hochebenen des Dekan, wie namentlich nach Goodeve in dem, auf trockenem, sumpfTreiem Kalksteinboden gelegenen Midnapor, ferner Aishanislan, wo, wie Harthill ausdrücklich erklärt, Ruhr zur Frühlings- zeil unter den englischen Truppen auftrat, als dieselben auf einer sandigen, durchaus trockenen Ebene lagerten, ferner Unter-Egypten, welches, worauf schon De war bei Besprechung der von ihm unter den englischen Truppen daselbst beobachteten Ruhr aufmerksam gemacht hat, nicht zn den Mala- l)L e. 68. Orgtn-Knnkheitfln. Bnlur. 241 agebieien gezählt werden kann, und die Landenge von Suez, wo, wie • ourbon (I.e. 12) ausdrucklich erklart, Malariafieber äusserst seilen vor- ommen, Ruhr aber verhällnissmässig; häufig angetrofTen wird, namentlich ber Mauritius, R^union, St. Helena und das Capland, die eben so sehr ron Ruhr heimgesucht, als von Malariaeinflussen befreit sind, zum Thcil rach Algier, wo Oran, also gerade diejenige Provinz, welche am wenig- Men, und namentlich viel weniger als die Provinz Alger, Sumt>rausdQnstun- gen ausgesetzt ist, das eigentliche Gebiet endemischer Ruhr daselbst bildet» 10 dass» nach den übereinstimmenden Berichten aller Aerzte, sich hier der tusgesprochenste Gegensatz zwischen dem Vorherrschen von (Sumpf-) lUlariafieber und Ruhr bemerklich macht, ferner Guayana, von woLaure (Le. 50) berichtet: „la dysenterie primitive existe bien souvent en dehors .da paludisme, ainsi qu*on le voit aux iles de R^mire et du Salut*', wobei iäi übrigens noch darauf hinweisen will, dass Li de II die Krankheit auf Ptioama schon im März (also in der trockenen Jahreszeit) vorherrschend Cuid, wo demnach von Malariaeinflüssen nicht wohl die Rede sein konnte, ebenso mehrere Inseln unter den Antillen, wie namentlich das eigentliche Guadeloupe, das einen trockenen, sterilen Boden hat, Barbadoes, das fast ganz sumpfTrei ist u. a. i), ebenso Malta u. v. a. G. — In derselben Weise aber spricht sich die Unabhängigkeit der Krankheitsgenese von feuchtem oder sumpfigem Boden auch bei epidemischem Vorherrschen von Ruhr, und zwar im auffallendsten Gegensatze zu dem von Malariaflebern, aus, welche, sobald sie in