en einzelnen Jahreszeilen gegenüber bemerklich machen, und deren Erörterung ich daher an die Spitze der Untersuchung gestellt habe. — Innerhalb der Tropen lallt die Ruhrsaison vorzugsweise in die Zeit des Nachlasses der Regen- und in den Anfang der kalten Jahreszeit, d. h. in die unserem Spätsommer und Herbst entsprechende Periode; diess gilt zunächst im ausgesprochensten Maasse für Indien, wo Ruhr in der Zeit von Juli — December eben so häufig , als in den Monaten Decem- her — Juni selten ist, in der Zeit von September — October aber die Akme ihres Vorherrschens erreicht; diese von Bampfleld und Hnt- chinson im Allgemeinen, von Twining, Tytier, Evans, Breton, Dunbar, Forbes und Jackson für die Präsidentschaft Bengalen, von Annesley, Bidie und Grant für Madras, von Young und Ewart für Bombay, von Mc Gregor und Green für die nordwestlichen Provin- zen geltend gemachte Thatsache findet in der Krankheitsslatistik ihre vollkommene Bestätigung, indem nach der von Annesley angestellten Berechnung von 13900 in der Präsidentschaft Bengalen beobachteten Rubr- fällen 2400 in der kalten, 4500 in der heissen und trockenen und 7Ü0 in der heissen und nassen Zeit vorgekommen sind; dem entsprechende An- gaben liegen ferner aus dem indischen Archipel, von den Molluken (Les- son), aus Burmah (Dawson, Murchison), China (Wilson, Tra- quair, Armand) und aus Aden (Malcolmson) vor, wo überall das Ende der Regen- und der Anfang der kalten Zeit als die Periode bezeich- net wird, in welcher Ruhr sich alljährlich mehr oder weniger allgemein verbreitet zeigt, oder doch in grösster Frequenz aufuritt, und in derselben Weise bildet im Sudan (Griesinger), auf der Küste von Zangebar (Ru- schenberger) auf Isle de Bourbon und Mauritius (Allan, Tullocb), in Abessinien (Courbon), so wie auf dem tropisch gelegenen Theile der Westküste Afrikas (Lopez de Lima, Lind, Boyle, Annesley, Da- niell, Trotter) und in Senegambien (Raffenel, Thevenot, Mc Rit- chie, Berville) die unserem Spätsommer und Herbste entsprechende Uebergangsperiode aus der heissen in die kalte Jahreszeit, auf der nörd- lichen Hemisphäre die Monate September — November, auf der südlichen (wie namentlich auf Isle de Bourbon und der Küste von Angola) die Mo- nate März und April, die Hauptsaison für das Vorherrschen von Rohr. Demnächst aber wird die Krankheit auf allen diesen Punkten auch nicht selten in der unserem Frühlinge entsprechenden Uebergangsperiode aus der kalten in die heisse, und besonders im Anfange der Regenzeit in grösserer Verbreitung beobachtet, so berichtet u. a. Daniell von der Bai von Benin: „dysentery and other enteritic complaints are prevalent in all „seasons, but more particularly at the commencement and close of tbe „wet,** und auch aus dem Berichte von Thevenot aus Senegambien gebt hervor, dass Ruhr von April — September nur Vt» dagegen von Sep- tember — März Vi — Va ^^^^^ vorkommenden Krankheitsfälle ausmachl. Genau dieselben Verhältnisse finden wir schliesslich auch in den tropi- schen Gegenden der westlichen Hemisphäre, so namentlich in Centro- Amerika (Bernhard, Lidell, Buel), in Guayana (Segond) auf den Antillen (Hillary, Schomburgk, Rollo» Levacher, Mason u. a.) Bohr. 22Sr in Pttni (Tschndi), indem die Kranliheit aach hier vorherrscheiid Ende dar Regenzeit, zwischen Aug^ust und November, in Peru zwi- ücben April und Mai, nicht selten aber auch in der unserem Frühling eni- ^preclienden Periode, zwischen März und April, in Peru zwischen Sep- tember und October vorherrschend angetrofiTen wird. — In vollkommener tjebereinstimmung hiemit finden wir Ruhr in den subtropisch oder in ge- fp&ssigten Breiten gelegenen Gegenden, soweit sie daselbst überhaupt ef^demisch vorkommt, im Hochsommer und Herbsle, demnächst, jedoch in ^^veit geringerem Grade, im Frühling in grösster Frequenz ; in sehr evi- d^oter Weise tritt dieser Umstand zunächst in der KrankheitsstatisUk un- yfi^ den Nordamerikanischen Truppen hervor: lassen wir die aus den Sla- Üonen der nördlichen Division gewonnenen Daten hier ausser Rechnung, \ ^ die Krankheil in diesen Gegenden kaum irgend wo den Namen eines > ^emischen Leidens verdient, und ziehen wir nur die aus den Stationen ^ ^^viittieren und südlichen Division und Floridas abstrahirlen Fakten in ^1 ^l^^nieht, so finden wir, dass von 5865 Ruhrfällen, welche dort überhaupt ^ :~ mbaehtet worden sind, in der Zeit r^ von Januar — März 839 „ April — Juni 1897 ;, „ Juli — September 2049 ,^ „ October — December 1080 vorlcamen, dass sich demnach die Erkrankungen in den vier Quartalen, den Winter (Januar — März) als 1 gerechnet wie 1:2.26:2.44:1/28 verhielten, und dass die Zahl der Krankheitsfalle in den Monaten April — September ^/3 der gesammten Ruhrfälle ausmachte. Eine Bestätigung dieses Resul- tates ergeben zunächst die Berichte der Beobachter in Südcarolina, Flo- rida, Virginien u. a., welche sämmtlich den Hochsommer und Herbst als Zeil desYorherrschens von Ruhr bezeichnen; dasselbe gilt von der Ebene TOD Mexico und von Chili, wo die Krankheit am häufigsten in den Mo- naten Januar bis März beobachtet wird (Gilliss, Lafargue), femer von Persien, Syrien undTranskaukasien; inEgypten zeigt sich Ruhr, wie Pru- Der bemerkt, nicht seilen im Frühling in grösserer Verbreitung, die ei- gentliche Ruhrsaison ist aber auch hier, wie derselbe mit Pugnet, Rö- ser, Griesingeru. a. übereinstimmend erklärt, der Spätsommer und Berl3St, die Monate September und October; aus Algier berichtet Ar- mand (1* c- 305): „en efTet, les deux tiers des grandes äpid^mies de dy- ,^nterie ont eu lieu en älö, un tiers en automne,'' in ähnlicher Weise sprechen sich von dort Broussais, Cambay und Catteloup aus TIemcen, Haspel aus Oran, Deleau u. a. aus; aus der von Villette mitgetheilten Krankheitsstatistik ersehen wir, dass von 909 in der Ebene der Meti^ja beobachteten Fällen acuter Darmleiden 18 im ersten, 21 im sweiten, 669 im dritten und 301 im vierten Quartale vorgekommen sind, 10 dass sich in der That die Krankheitsfrequenz den Jahreszeiten nach wie 1:1.11:31.6:16.7 verhalten hat, d. h. auf das Sommerquarlal nahe ^/s, auf den Herbst Vs aller Fälle gekommen ist. — Auch in Europa endlich tritt Ruhr in allen denjenigen Gegenden, wo sie überhaupt endemisch herrscht, oder doch auffallend häufig beobachtet wird, so auf Minorca (Cleghorn, Foltz), auf der pyrenäischen Halbinsel, auf Sardinien, Sicilien, in Unteritalien, im südlichen Frankreich, in den Donaufürstenthümem, Un- garn, der Türkey, Griechenland, Steyermark, Oberösterreich, Böhmen, in den nordwestlichen Gebielen Russlands, in Dalarne u. s. w., stets im Som- mer« und zwar namentlich im Spätsommer, und während des Herbstes auf. — Diese Thatsache von dem fast ausschliesslich auf die genannten Jahres- seiten beschränkten Vorkommen von Ruhr in grösserer Verbreitung — %2i Hirich, hiitoritoh geogrUfioMAib Pathologie. eine Thatsache, welche übrigens schon den Aerzten des Alterthumes mid Mittelalters, Hlppocrates i), Galen^), Avicenna'), u. a. wohl bekaoM war, — findet nun endlich in der Epidemiologie ihre vollste Bestäliguag. Ich habe in der folgenden Tabelle aus den mir vorliegenden epidemiokh gischen Berichten eine Zusammenstellung aller derjenigen Epidemien in einzelnen grösseren Gebieten der Erdoberfläche gemacht, bei welchen die Zeit des Vorherrschens der Krankheit, zum Theii auch das genauere Da- tum ihres Beginnens angeführt ist; wir finden demnach 2eit des Vorheiriqhen« Zeit de» Auftretens B«obicblUDgi- Sj £3 oH ^ ^ M p w k ja m ■P m B E Q s B , o 'S 1 a a c 9 s 1 p p 1 o o, 1 Nordamerika *J 50 . 18 25 4 2») 1 3 16 4 3 1 ItaHtm 10 , 1 4 1 3 1 1 FrtakreieJ] 77 31 15 30 1 1 11 12 16 3 Scbwelz 39 2 _^ 14 17 6 , 1 1 4 8 9 2 Kiederlattde as . — 8 6 s 4«) 4 l 1 1 1 1 Britaaitien 45 4 — 11 10 13 2') 5»> 1 3 6 4 Dealschjand 255 4 2 77 131 40 1 1 2 1 8 60 68 21 4 2 Sctndinavien ZI 1 1 S 16 2 1^) 1») l 1 1 3 5 RiiasL u, Polen 12 -^ — 5 6 — 1"): 1 2 2 1 Ungaro 5 — 3 1 1 — 2 1 1 546 12 4 176 1228 1107 1 ß 13 1 1 t 12 1 4 2 19 109 |108 1*7 9 13 3 Von 546 Ruhrepidemien herrschten also im Sommer (resp. Som- mer und Herbste) 404, im Herbste (resp. Herbste und Winter) 113, im Winter 13 und im Frühling (resp. Frühling und Sommer) 16, wenn also Andral sagt, dass von 50 Ruhrepidemien im Sommer 36, im Herbste 12, im Winter 1 und im Frühling 1 vorherrschen, so erhalten wir von 50 Ruhrepidemien im Sommer 37, im Herbste 10.4, im Winter 1,2 und im Frühling 1.6 also ein nahe übereinstimmendes Resultat Sehr bemerkenswerth endlich ist die aus der obigen Zusammenstellung hervorgehende Thatsache, dass von 308 Ruhrepidemien 283, also nahe ^Vis der Gesammtsumme, in den 1) De natura hominU. Edit Foes. 287, Aphor. Scot IIL aph. 11. Ed. elt 1147. a) a. T. O. 3) 1. c, wo es heUst: ninnltipUeaiitiir In antnmno djsenterU et Inteatloi- nun nlcera". 4) Ich habe hier« aus nahe liegenden Gründen, nur Berichte aaa Maines den Neu -England -Staaten, New -York, Philadelphia und den nördlichen Oegeiiden det Westens berücksichtigt. 6) Eine dieser Epidemien herrschte in Winter 1814—15 all Kriegsmhr, die andern im Winter 1850—51 unter den Einwanderern in CalitonlMi. 6) Zwei dieser Epidemien, 167S in Haarlem und 1580 in Delft, waren Kriegamlir, die dritti herrachte 1831—82 in Antwerpen, die vierte 1834—36 in BrttsseL ^ 7) Beide Epidemien, 1769 und 1818, herrschten in Irland. 8) Anch Ton dleaeii Epide- mien herrschten drei, in den Jahren 1728, 29 und 8u, in Irland, die Tierte 17oa in Lendon und die fünfte 1800 als Kriegsruhr in LivcrpooL 9) Biese Epidemie hamehte 18tf in einem Orte des dänischen Amtes Frederiksborg. 10) Dieeelbe hemebte 1B1€ bi Haliingiand (Schweden). 11) Es ist dlett eino Lafezrohr, die 1 164 86 Trappen in der Krimm hemohte. OrgMi- Krankheiten. Ruhr. 225 pönalen Juni — September ihren Anfang genommen haben, und eine Be- lUfung dieses BeSültaies finden wir in der von Niles und Russ^) m MortaliUiLsstaUstik aus Boslon, P^ew-York, Philadelphia und »re» dergemäss von den innerhalb ii Jahren in diesen Slädlen be- gewordenen 1500 Todestälie an Ruhr UOO aliein auf die Monale September kamen. §. 1(39, Es dürften sich in der ganzen Lehre von der Krankiieits- Biologie nur wenige, so constante Momente nachweisen lassen, als die beo erörterte Abhängigkeit der Ruhigenese von jahreszeiUichen EinOüs- cn, und so diirten wir, insofern eben diese doch nur der Ausdruck ge- rissermeteorologischer Verhälluissesind, mit voller Sicherheit den Schluss en, dass der Einfluss der Witterung und speciell der Tempera- ir von der wesentlichsten Bedeutung iut das Vorkommen von Ruhr ist, demgemäss in eben diesem Momente, soweit es die khmalischen Ei- iiumUchkeiten der einzelnen Erdbreilen charakterisirt, einer der wich- sten Faktoren für die oben geschiideiie Art der geographischen Ver- eitun^ der Krankheil gesucht werden muss, und in dieser Beziehung fe Temperatur zunächst und vorzugsweise in Betracht kommt, — In hei weilem grössten Verbreitung, Frequenz und Bösartigkeit kommt uls Endemie, in denjenigen Gegenden der Erdoberflache vor, welche itisch durch die höchsten Temperalurverhältnisse ausgezeichnet sind, namentlich auf der Westküste Alrik^^s, in Senegambien, dem Sudan, ien» auf CeyloUp dem indischen Archipel, in Hinterindien, auf den Ebe- Vorderindiens, den Antillen u, s, w,, d, h, in dem grösseren Theile ligentlieh tropisch gelegenen Länder; seilener, wenn auch noch sehr feitet und bösartig, treffen wir die Krankheit iu Gegenden mit einer hohen Temperatur, namentlich einer hohen Sommertemperatur, so er südlichen und siidösLlichen Küste von China, in den Vorderlän- indiens, in Persien, Syrien, Arabien, Egypien, Algier, dem Caplande, itien u. a., noch seltener, und nur in beschränkteren Kreisen endemisch chend, erscheint Ruhr in den warmen Ländern, in welchen die Ueber- luhreszcilen, Herbst und Frühling, schon in bcstirunUer Weise aus- ist sind, in Kleinasien, der Türkey und Griechenland, den Inseln Mittelmeeres, Unteritalien, Spanien, den südlichen Gegenden der ü. S. Nordamenka, am seltensten schliesslich, und nur in ganz begninzten 1 endemisch I treffen wir Ruhr innerhalb der gemässigten Bretten, ie fast nur als Epidemie bekannt ist und als solche eben in einer nachweisbaren Abhängigkeit von höherer Temperatur aultritt, — sich dieser Einfluss huhur Wärmegrade auf die Krankfteiisgenese Mbet im Grossen und Ganzen ausspricht, so zeigt sich derselbe nicht deyiUch innerhalb der einzelnen der oben genannten Gebiete; ,Jii »^Köslcnirindern Egyplens*% sagt Pruner, „ist die Ruhr im V^erbähniss t^n riliriee n Kninkheiten noch nicht sehr häufig, einen geographischen I her wird sie bereits überwiegend utid bösartiger, im alnkani- tii iri'irenlande, im Bereiche des oberen Nildeltas, an den Niederungen wei&sen Flusses ficlangt sie, neben den Fiebern und Blatt