qui in continenti et navibus, ob varia negotii „ingenti solis aestui interdiu et nocturno tempore frigori aut etiam plaviii „aut rori se exposueranl." In Brasilien ist es, wie Sigaud anführt, vor zugsweise die, durch starke tägliche Temperaturwechsel ausgezeichnete heisse Jahreszeit, in welcher Ruhr in diesem Lande am häufigsten vor kommt, und dasselbe gilt, den Erklärungen von Piderit und Lafargu( zufolge, von dem Vorherrschen der Krankheit in Chili. Ein wesentliche! Moment für das häufige Vorkommen von Ruhr auf der Küste von Pen findet Tschudi (1. c. 414) in der unvorsichtigen Lebensart der Bewohne; des Landes; „abgespannt von der drückenden Hitze des Tages, suchei „sie im Sommer am Abende gerne die erfrischende Kühle, setzen sicl „daher Stunden lang der feuchten, kalten Nachtlufl aus, schlafen bei ofi'e „nen Fenstern, und suchen sich in ihren Wohnungen durch Aufsperrei „aller Thüren eine angenehme Zugluft zu verschafien, die den schwitzen „den Körper auf höchst nachtheilige Weise abkühlt,'* und in ähnliche: Weise spricht sich Hamilton^) bezüglich der Ursache des häufigei Vorkommens der Krankheit auf den westlichen Abhängen der Cordillerei in Peru aus. In Nicaragua tritt Ruhr, wie Bernhard bemerkt, am hau figsten und gefahrlichsten zur Zeil der täglichen starken Temperaturwech sei, — namentlich dann auf, wenn heisse Tage mit kalten Nächten ab wechseln; im Allgemeinen ist hier, wie auf dem ganzen Küstenstriche von Centro- Amerika, die Differenz zwischen der Tag- und Nachtwärme selbst zur Zeit der stärksten Temperaturwechsel, nicht sehr bedeutem und bedingt selten mehr als 12° F., aliein bei der enormen Tageshilz( machen sich, wie namentlich Homer und Lid eil übereinstimmend aus 1) 1. c 171. 2) Lond. med. and surg. J. New 8er. It 79, m Organ - Knmklieiten. Ru^. iftina erlilfiren, üuch schon so kleine Differenzen sehr bemertlich; „ihe ,»therinometer,"* bemerkt der ErstgeoannLe» „overnges from Sif lo Bö** „during: ihe day, v^hen ihe wind is blowing lowards the Jand, but when „off of il, as il genenilly does oller 8 o* dock al night, il falls (refjtjenlly Jo 76**, sometinies lo 74**: and ihen from the free Perspiration and sen- ^sibilily of Ihe skin, imports such a Sensation of eoJdness as lo nmke „woollen clolhes pleasanl" Unter denselben meteorologrischen Vethall- m$$m Ündeo wir Ruhr vorherrschend auf der Küste von Mexico, und rten dieses Moment bedingt ohne Zweifel die Endemicilät der Krankheit in der ösilichen iierra lemplada dieses Landes, im Gegensalze zur west- liehen, die sieh sehr günsliger GesundheitsverhaUnisse erfreut, indem Ifiitgs der Gotlkiisie, in Fo!ge des von November — April anhaltend wehenden NO. Passates Nebel gegen die Hochebene aufsteigen, welche sich hier häuüg in Form reichlicher Regen niederschlagen und daher mehr oder weniger starke Temperatürsprünge bedingen, wahrend auf der west- lichen Abdachung anhaltend ein mildes, gleichmässiges, und massig Irocke- mtB Klima herrscht. Zu demselben Resultate beniglich des pathogenetischen Einflusses hier besprochenen Ten^iperatnrverhältnisse führen aber auch die Be- chtungen über das endemische Vorherrschen der Krankheit in gemäs- sigfen Breiten, wo eben der Spätsommer und Herbst, d. h. die Zeit, wel- cher jene, auf längere Zeit anhaltende, heisse Witterung folgenden Tem- peralwrschwankongen» bei einer noch immer hohen Tageswärme, beson- <lers eigenthümlich sind, die eigentliche Ruhrsaison bildet; dos gilt na- mentlich von den südlichen und mittleren Staaten Nordamerikas . ferner Ton Esiremadura, dem Hochplateau von Castilten u. a, Gegenden Spaniens, von Sardinien, wo die Krankheit, der ausdrücklichen Erklärung von Moris infolge« gewöhnlich aultritl, sobald im Spätsommer die Nächte kühl zu werden anfangen, vom südlichen Frankreich und Lothringen, von wo u* a. Oldetot bemerkt: „ce nc sont pas ies fruils. comme le peuple s'ima- ^gioe ei»core aujourdhui, qui en sont la cause (de la dysenterie), mais pjes subites varialions de Tair/* von Sicilien, wie aus der Eiklarung von Irfine (l c. 82) hervorgeht: Ji occurs amongst numbers nearly ut the ^same lime« probtibly owing lo ihe changes of the atmosphere, lo sudden «ditiiinuiions of the teniperalure of ihe air,./* von den Donaufürslenlhü- luem und der Türkey, wo, wie Rigler bemerk!, sich die Krankheit auch Frühling alsdann 2eigt, wenn auf heisse Tage küble Nachte folgen, von um, Steyernmrk, und nicht weniger von Dalarne (Schweden), wo Ruhr den. innerhalh der sumpfigen Thalausmüridungen gelegenen, Ortschuf- ten Leksand und Biittvik alljährlich im August und September aultritl. „drt är \id denna iid.** wie Huss (l. c. TS) hinzulügt, „som aftnar och ^iUcr börga blilva kyliga, ofla med slarkl albrott emot den starka vär- jmta undcr dagcn," in vollkommener Uebcreiuslimmung mit der hier enlwickelien An- sicht sieheu endlich auch diejenigen Erfahrungen, welche bezüglich der Abh&ficigkeit der Krankheit, als Epidemie, von jenen Wilterungsveihält- UlSiien ouf allen Punkten der Erdoberfläche in grösslem Umlange gemacht worden sind. Ich müssle hier fast die gesanmjte Literatur von Rnhrepi- tfeoiten dliren, w^ollie ich die Beweisslücke dalür votlf tandig lielern; ich djTf in dreier Beziehunp: zuniichst auf die oben namhatl gcmachlen, zfthl- rdclicn epidemioiogisehen Mitüiellungcn verweisen, in deren bei weitem p^tsleti Tfieile von den Beol>achiejn ausdiücklith hen^orgehoben wird, dass die Krankbeil epidemisch atdMal. nachdem, nach längere Zeit anhal- tender heisser Witterung, allabendlich ein starkes Sinken der Temperatur, iir, I 2S4 Hirioh, historiMii gfognphiinlü Pathologie. oder plötzlich feuchtkübles Wetter eingetreten war, und gleichlautende Beobachtungen sind in den Epidemien 1625 in Lyon, 1719 u. 27 inEperies, 1746 in Zürich und der Oberiausitz, 1763 in Wien, 1773 in der Cham- pagne, 1777 in der Provinz Bigorre, 1787 in Padua, 1788 in Weilburg, 1791 in Meiningen, 1792 in der Champagne, 1793 unter den französischen Truppen in Sardinien, 1794 in Braunschweig, Posen u. v. a. Gegenden Deutschlands, 1798 in Kiel, 1815 und 24 in Massachusets, 1817 in Steyer- mark, 1821 in Irland, 1822 in Upsala, 1826 im Dpt Finislerre, Prooipsat u. a. G. Frankreichs, 1828 und 29 in New -York (immediately aller the accession of cold nights, wie es in dem Berichte bei Basset ^) heisst), 1830 im Canlon Mornant, 1839 in Greifswald, 1840 in Gent, 1843 in vie- len Gegenden der Schweiz, 1849 in Bordeaux, 1850 und 51 in einem grossen Theile Pennsylvaniens, 1852 in mehreren Departements von Frank- reich, u. s, w., kurz an den verschiedensten Punkten der Erdoberfläche gemacht worden. Es entsteht nun die Frage, welche Bedeutung wir dem hier be- sprochenen ätiologischen Momente für die Ruhrgenese beizulegen berech- tigt sind, ob wir in ihm die eigentliche, letzte Ursache der Krankheit suchen, oder dasselbe nur als eine sogenannte causa occasionalis an- sehen dürfen; ich glaube, mich ganz entschieden für die letzte Annahme aussprechen zu müssen. Ich halte es für ausgemacht, dass unter dem Einflüsse der zuvor geschilderten Wilterungsverhällnisse — einer längere oder kürzere Zeil anhaltenden hohen Temperatur mit darauf folgendem starken, und plötzlichen Temperalurwechsel — eine Störung im physio- logischen Verhalten des Organismus gesetzt wird, welche sich, als direc- ter oder indirecter Ausdruck der Einwirkung jener Schädlichkeit, in einem Congeslivzuslande der Darmschleimhaut ausspricht, der in seiner weiteren Entwickelung als Darmkatarrh, und speciell Dickdarmkatarrh, in höherem Grade als sogenannte katarrhalische Ruhr oder ruhrarüge Diarrhöe, in die Erscheinung tritt; hiermit ist aber noch keineswegs. die Ruhrgenese ge- geben. Wir haben uns davon überzeugt: 1) dass die Krankheit an einzelnen Punkten der Erdoberfläche selten oder relativ selten vorkommt, trotzdem sich dieselben in klimatischer Be- ziehung in Nichts von anderen, selbst benachbarten, von endeaüscher Ruhr heimgesuchten Gegenden unterscheiden ; wir, wissen , 2) dass, umgekehrt, Ruhr in einzelnen, oft ganz kleinen Oertlich- keiten, und so namentlich innerhalb der gemässigten Breiten, den Charak- ter eines endemischen Leidens hat, während die Krankheit in der ganzen umliegenden Landschaft, die unter denselben klimatischen Einflüssen, wie jene , steht, nur ab und zu als Epidemie auftritt ; es ist nicht ausser Acht zu lassen, 3) dass Ruhr nicht gerade selten epidemisch erschienen ist, ohne dass sich in den Wiiierungsverhältnissen irgend welche aufliällende, den oben geschilderten Zuständen entsprechende, Eigenthümlichkeiten bemerk- lich gemacht hätten, 4) dass dagegen jene Witterungsverhältnisse oft in ausgesprocbeD- stem Maassstabe vorgeherrscht haben, ohne dass es zur Entwickelung einer Ruhrepidemie gekommen ist, endlich 5) dass, dem entsprechend, die Krankheit unendlich häufig auf ein- zelne, nicht selten ganz kleine Kreise, eine DorfscbaR oder einen Weiler, beschränkt geblieben ist, trotzdem dieselben Witterungsverhältnisse ihren Einfluss auf grosse Entfernungen und ganze Landschaften geäussert haben. I) Im How York med. J. ISSL Kai 16. Orgia - Ermklieit«!!* EoIit. atsachen zwingen uns 2u der Annahme, dass, eine so und weseaüiche Bedenlung diesem, aüg dem CÜma oder der Wit- hen'orgehenden, äliologisehen Momenle für das Vorkommen von auch beigelegt werden muss, dasselbe doch entschieden nur die deulun^ einer causa occasionalis — und zwar der wichLigslen lür die räfikheil als Endemie wie Epidemie — hat, dass der Ruhrgenese selbst ber eine andere, specifische Potenz zu Grunde liegt, deren palho^eneti- hl» Wirksamkeil sich in einem Organismus, der in der oben gescliilderten ^eise bereits krankliaH gestimmt ist, um so leichler und um so mächtiger entrutten vermag. In dieser AufTassung der Thalsachen ist der so ielfach besprochene Zusammenhang zwischen Darmkaiarrh und Ruhr aus- druckt und genau in derselben Weise iflaube ich diesen Zusammenhang dem Verhällnisse zwischen Darmkatarrh und der unter dem tarnen der Stjolera nostras bekannten, später zu besprechenden Krankheit wieder finden. §. 110. Eine so frrosse Üebereinstimmung der Thatsachen und An- lehlen bezügbch des Einflujjses von Teniperaiurverhältnissen aul die Ruhr- nese gefunden wird, so widersprechend sind die Beobachtungen, welche fuglieh dieses Einflusses von Seiten der Luftfeuchtigkeit gemacht nd* und so weil gehen die hieraus nbslraliirien Schlüsse der Furscher oseinnnder ^ Ein grosser Theil der ßeobachler in tropischen oder biropisehen Gegenden, wie Twining, Anneslcy, Bamplield u. a. erzte indtenft, Griesinger in Egypien u* s. w. legen in dieser Beziehung in besonderes Gewicht auf hohe Grade von Luttreuchtigkeit, andere, wie ouat in Bangalore, Pearson in Canton, glauben gerade grosse Vockenheit der Luft als ein dem Anftrelen der Krankheit weseriUich lör- rliehes Moment bezeichnen zu müssen, und noch andere, wie namcnt- h Sigaud in Brasilien, erklären, dass der hygromeirische Zustand der iTL in dieser Beziehung ganz ohne Bedeulimg isl, dass die Krankheits- lensit^t und Intensiiät bei feuchter und bei troeknerLuft dieselbe bleibt, g)d die Knmkheit selbst ebensowohl bei Nässe als bei Dürre aullritt, — sieh eine Beantwortung dieser Frage, wie nur scheint, weniger über das endemische Vorherrschen von Ruhr gemachten Erfah- als vielmehr aus der Epidemiologie der Krankheit herholen, und n diesem Standpunkte scheint der Feuchtigkeitszustand der Luft für die (■sc allerdings ganz irrelevant zu sein; von 119 Epidemien sind ' üchter Witterung, oder nachdem eine solche längere Zeit vorge- n^ciit, aulgelreten, wahrend dagegen 57 bei anhaltender Trockenheit ihren nfang genommen haben und verlaufen sind, und zwar isl diese Trockenheit sehr vielen Fällen eine so anssergewöhnliche und ausserordenlliche wesen, dass sie den Beobachtern als ein in ätiologischer Beziehung X besonders zu berücksichtigendes Moment erschienen ist, so u, a* den len Pennsylvaniens in der Epidemie der Jahre 1850 — 61, Barrey *) der Epidemie 1812 im Arrond. Besan<^on, den Bericbterstauern über die idemie 1834 im Canton Waadl, van Geuns in den Ruhren der Jahr© 779 und 1783 in den Niederlanden, Geach im Jahr 1782 in Plymoulh, Acrzlen Irlands in der Seuche des Jahres 1H52, Senn er t in den lemien der Jahre 1624 und 37 in Deutschland, Buddeus in den Jah- Ößfr^86, von denen er bemerkt: *,üa ich denn allemahl wahrgenom- iäB% zuvorhero im Mai, Juni, Juli eine grosse Uiiie. und Dürre mit iwenig oder gar keinem Regeti und Gewittern gewesen, dass an manchen t) Mim. w Im tatdmA. ^pid^m. eto. Be««agoa 1R13. 77. 236 Hirich, hittorifoli geognqpldsdie Pathologie. „Orten die SommerfHichte verdorben und die Bfiume ausgetrocknet**, eine Angabe, welche Hoffmann bezuglich der Epidemie des Jahres 1684 in Minden mit der Erklärung, dass die Krankheit ob plane insuetatn et extra-